Auch das Schweizer Holzbildhauerei Museum Brienz musste sich mit der Eröffnung der neuen Sonderausstellung zum Brienzer Holzbildhauer Carl Binder gedulden. Am Donnerstag, 21. Mai 2020, steht nun endlich der Saisonsstart an. Die Schutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit im Zusammenhang mit dem Coronavirus können beim Museumsbesuch in Brienz eingehalten werden.

Am Donnerstag, 21. Mai 2020, ist es soweit: Das Schweizer Holzbildhauerei Museum in Brienz darf wieder besucht werden. Die Vorarbeiten zur neuen Sonderausstellung, die sich ganz dem Schaffen des Brienzer Holzbildhauers Carl Binder (1881-1964) widmet, waren schon längst abgeschlossen – nun freut sich das Museumsteam, sein Schaffen der Wintermonate endlich einem breiten Publikum zu zeigen. Im Schweizer Holzbildhauerei Museum können die aktuellen Schutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus eingehalten werden. Das Leitungsteam des Holzbildhauerei Museums hält sich dabei an die Empfehlungen des Verbandes der Museen der Schweiz VMS. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die diesjährige Sonderausstellung kann aufgrund der aktuell vorherrschenden Lage leider nicht wie üblich mit einer stimmigen Vernissage eröffnet werden. Doch auch bei den Verantwortlichen steht der Schutz von Personal und Gästen an oberster Stelle – die Freude, dass die Ausstellung nun endlich besichtigt werden kann, wenn auch unter anderen Voraussetzungen als bisher gewohnt, überwiegt.

Ein verkannter Künstler

Von Brienz nach Paris und zurück nach Brienz: Das ist der Weg des Holzbildhauers Carl Binder. Binder (1881–1964) gehörte zur Familie Binder, die Eigentümer der grössten Holzbildhauerei-Firma in Brienz waren. Gegründet 1835 wird sie noch heute in der fünften Generation als Firma Ed. Jobin AG geführt und beheimatet auch die Ausstellungsräume des Schweizer Holzbildhauerei Museums. Carl Binder studierte an der Kunstgewerbeschule in Winterthur, der Ecole des Beaux Arts in Genf und ab 1902 an der Académie Julian in Paris. Dort lernte er die grossen französischen Meister der damaligen Zeit Rodin, Bartholomé und Débois kennen, mit welchen ihn bald ein schönes Freundschaftsverhältnis verband. Es war Rodin, der sich des damals kaum Dreiundzwanzigjährigen annahm und ihn veranlasste, im «Salon National des Beaux Arts» sein Werk «Yvress» auszustellen, das bei der kunstverständigen Pariserwelt grosse Anerkennung fand. Darauf wurde ihm der Titel «Associé» verliehen und später wurde er «Sociétaire». Er erlangte grosse Anerkennung und internationale Erfolge. Einzelne Verkäufe seiner Werke ins Ausland und weitere Ausstellungen auch in der Schweiz sind belegt. Schriftliche Quellen oder gar ein Werkverzeichnis Carl Binders sind jedoch kaum bzw. nur lückenhaft vorhanden. In der Schweiz erhielt der Holzbildhauer kaum die Anerkennung, die ihm eigentlich zustand.

Über 70 Binder-Werke aus dem Nachlass seiner Tochter

Zum grössten Teil stammen die ausgestellten Werke aus dem Nachlass der Tochter des Künstlers, Maria Binder (1920 – 2008). Sie führte in Zürich einen weitherum bekannten Blumenladen, in dem sie viele dieser Stücke präsentierte. Aus ihrem Nachlass konnte die Holzbildhauerei Stiftung über 70 Werke ankaufen. Zusammen mit Werken Binders aus der Sammlung der Firma Ed. Jobin AG will die Ausstellung das Schaffen des Brienzer Künstlers würdigen.