Holzbildhauer und Liederkomponist

Der Schnitzler und Holzbildhauer Max Huggler, Brienz, stammt aus der berühmten Schnitzlerfamilie der Huggler. Huggler war ein Schüler von Christian Fischer, der als Begründer der Brienzer Holzschnitzerei betrachtet werden kann. Hans Huggler-Wyss war der Gründer des grossen Schnitzerei-Geschäftes gleichen Namens an der Hauptstrasse in Brienz. Arnold Huggler schlug seine Zelte in Zürich auf und schuf schweizweit grosse Skulpturen wie den Mineur an der Handeck am Grimselpass. Willi Huggler erfuhr im UTB-Band 2003 eine ausführliche Würdigung. Er und der verstorbene Max Huggler schliessen die Dynastie der Schnitzlerfamilie Huggler würdig ab.
Quelle: Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee UTB, Jahrbuch 06/07, Autor Urlich Amman

Lebenslauf

Max Hugglers Elternhaus stand im «Lindenhof» in Brienz. Dort wurde er am 25. April 1913 als jüngstes Kind von Marie und Viktor Huggler-Michel geboren. Leider verlor er schon im Alter von drei Jahren seinen Vater. Einige Zeit wurde das umgebaute Elternhaus als Pension und kleines Gastgewerbe weiterbetrieben, bis es dann in der Nachkriegszeit verkauft wurde und die Familie ins Dorf dislozierte. Aus der Pension und Gastwirtschaft entstand die Gärtnerinnenschule Lindenhof, das heutige Hotel Lindenhof. Nach der Schule wandte sich Max dem Beruf seines verstorbenen Vaters zu und absolvierte auf der Schnitzlerschule eine Lehrzeit als Figurist. Einer seiner Lehrer war der bekannte Holzbildhauer und Schnitzlerschulvorsteher Friedrich Frutschi. Danach fand er bei seinem künstlerisch sehr talentierten Onkel und Götti, Hans Huggler-Wyss, eine interessante und anregende Beschäftigung in seinem Beruf.

Als man in der Schnitzerei in den 1930er-Jahren empfindliche Arbeitsreduktionen durchführen musste, war auch Max Huggler gezwungen, sich umzusehen. Er fand eine solide Anstellung als Dekorationsschnitzler in Horw. Um seine beruflichen Kenntnisse auch in künstlerischer Richtung zu erweitern, besuchte er verschiedene Kurse an der Kunstgewerbeschule Luzern. Während der Horwer Zeit verheiratete sich Max Huggler mit Marie Bossli aus Brienz, und ein Jahr später erhielt die Familie Zuwachs durch das Töchterchen Heidi. Im Jahr 1942 rief ihn die Firma Huggler-Wyss nach Brienz zurück, weil sie ihm eine vielseitige Beschäftigung zusichern konnte. Max Huggler nahm dies dankbar an und kehrte in sein geliebtes Berg- und Jugendland zurück. Zwanzig Jahre war er Fachexperte für Holzbildhauerei. Als schönstes und nachhaltigstes Erlebnis in seiner beruflichen Laufbahn blieb ihm seine zweimal siebenwöchige Tätigkeit als Demonstrationsschnitzler in verschiedenen Staaten und Städten Nordamerikas in Erinnerung: Cleveland, Detroit, Dayton, Cincinnati, New York. Amerikanische Zeitungen und Zeitschriften berichteten begeistert über den «Swiss Wood-Carver».

In seiner Freizeitgestaltung gab es für Max Huggler zwei Schwerpunkte: das Turnen und die Volksmusik. Er war ein eifriges und erfolgreiches Mitglied im Turnverein Brienz und wirkte im technischen Komitee des Oberländischen Bezirksturnverbandes. Geschickt fand er den Weg zur Kombination seiner turnerischen und volksmusikalischen Fähigkeiten; er entwarf mehrere Reigen und gymnastisch-musikalische Nummern, zu welchen er hin und wieder auch die passende Musik komponierte. Mit den Jahren aber rückte die Pflege des Volksgesangs immer mehr in den Vordergrund. So leitete er mehrere Jahre den Gemischten Chor Hofstetten und den Männerchor Brienz. 27 Jahre dirigierte er den Jodlerklub «Bärgecho» Brienz, auch einige Jahre die Jodlerklubs Innertkirchen und Unterseen. Musikalisch vielseitig begabt, komponierte er in der Freizeit für Solisten, Duette und Chöre eine ganze Anzahl Jodellieder, die zunehmend Beliebtheit fanden. Eine aufwendige musikalische Arbeit hinterliess Max Huggler der Musikgesellschaft Brienz zu ihrem 125-jährigen Bestehen mit dem Jubiläumsmarsch. All diese Erfahrungen und Erfolge ebneten ihm dann auch den Weg zum Kampfrichterobmann im Jodelgesang.

Wie sehr sich Max Huggler einerseits in Gesellschaften für ideale Bestrebungen und für das kulturelle Leben in Brienz einsetzen konnte, so ergeben liebte er andererseits die Ruhe und Einsamkeit. Oft wanderte er – bei jedem Wetter – auf die Planalp, wo er in der Stille eines gepachteten, abseits gelegenen Berghäuschens Einkehr und Erholung fand. Er pirschte mit dem Feldstecher den Wildtieren nach, um sie bei ihrem Leben und Treiben zu beobachten, was ihm dann bei der künstlerischen Umsetzung in eine Holzskulptur zugute kam.
Im Alter genoss es Max Huggler ausgesprochen, wenn er seine Tochter Heidi und den einzigen Enkel Marc im Ausland besuchen konnte.

Hart schlug das Schicksal zu, als Max Huggler von einem schweren Krebsleiden befallen wurde, das ihn an den Rand des Todes brachte. Dank moderner Medizin, einem eisernen Lebenswillen und bester moralischer und pflegerischer Betreuung durch seine Gattin Marie überwand er die schwere Krankheit. Jahre später machten sich Altersbeschwerden bemerkbar. Sein letztes Lebensjahr verbrachte er im Altersheim «Birgli»-Brienz. Wer ihn besuchte, durfte bald merken, dass seine Beschwerden ihm die Liebe zur Musik nicht hatten nehmen können. Am 21. November 2005 ist er friedlich entschlafen.

Max Huggler, der Holzbildhauer

In der Schnitzlerschule Brienz besuchte Max Huggler die Figurenklasse, d.h. er wurde Figurist. Er beherrschte aber ausser der Kunst, Menschen und Tiere zu gestalten, auch das Schnitzen von Ornamenten. Besser als viele Worte illustrieren folgende Bilder seine Arbeit.

Max Huggler, der Komponist

Max Huggler hatte eine aussergewöhnliche Begabung, beherrschte er doch zwei unterschiedliche künstlerische Aktivitäten: die Bildhauerei und die Musik. So gekonnt er nach Fotografien die Köpfe des USA-Präsidenten John F. Kennedy und des englischen Premiers Sir Winston Churchill zu modellieren verstand, so gut bewies er auch sein Können als Komponist. Zahllose Jodellieder stammen aus seiner Feder, die weitherum in den Repertoires der Jodlerklubs standen und immer noch stehen. Dem Gemischten Chor des Schweizervereins von Cleveland USA widmete er ein patriotisches Lied, das auch in seiner Heimat an einem Konzert auf dem Programm stand. Einmal schrieb er sogar ein Stück für Orgel.

1983 erschien unter dem Label «Tell Record» eine LP mit dem Jodlerklub «Bärgecho» Brienz mit u. a. folgenden Titeln: «Senneläbe», «Z’Bärg». Und mit dem gleichen Jodlerklub erschien 1989 eine CD mit folgenden Titeln: Frohi Alpfahrt, Dört oben uf em Bärgli, D’Jodler, Mis Heimatdorf am Brienzersee. Beide Tonträger enthalten auch Jodel-Duette und Naturjodel von Max Huggler. Am besten dokumentiert der Text auf der LP-Hülle von 1983 Max Hugglers musikalisches Wirken: «Unter der Leitung von Max Huggler erreichten die Sänger «seines» Jodlerklubs «Bärgecho» mit einer einzigen Ausnahme an allen besuchten Jodlerfesten die 1. Klasse, und zwar mit Uraufführungen von Kompositionen ihres Dirigenten. Eine besondere Ehrung wurde ihm zuteil, als Radio DRS und das Schweizer Fernsehen zu seinem 70. Geburtstag über sein nebenberufliches musikalisches Schaffen zwei Sendungen ausstrahlte. Für seine Verdienste um die Schweizer Volksmusik wurde Max Huggler mit dem «Goldenen Tell» ausgezeichnet».